Zum Wendepunkt (Kapitel)


Die Idee vom Friedensmal wurde 1998 in der Mahnmal-Debatte geboren. So begann es...

Dunkelheit ist die Abwesenheit von Licht Licht und Dunkelheit

Terror der Einsamkeit - eine Folge der Unversöhntheit

Über das nationale Holocaust-Mahnmal in Berlin sagte der im Jahre 1998 amtierende. Bundestagspräsident Wolfgang Thierse: „ ... meine Sorge war, daß der Einzelne angesichts seiner sinnlichen Wucht verzagen, ausweichen und sich verschließen könnte. Denn ich kann mir gut vorstellen, daß sich in diesem Mahnmal einstellt, was sein Gestalter den „Terror der Einsamkeit” genannt hat: Im Dickicht des Stelenwaldes ist jeder auf sich selbst gestellt. Es gibt keinen Eingang, keinen Ausgang, kein Zentrum, kein Miteinander und kein Nebeneinander. Er zwingt uns, uns allein mit unseren Erinnerungen und Gefühlen auseinanderzusetzen.” Das ist leider aber auch keine ungewöhnliche Beschreibung der Lebenssituation vieler Menschen in unserer Zeit. Das kann die Art der Gestaltung des Mahnmals erklären.

Doch das genügt nicht. Das Berliner Mahnmal bleibt Erklärung und Wegweisung schuldig. Durch die Absicht, zu erdrücken und so einen Terror - den viele Menschen in heutiger Zeit gewohnt sind - zu entfalten, wirft es hier die Frage nach Verantwortung auf, ohne Antwort zu geben. Darin liegt die Gefahr, daß Verantwortung - wie so oft - auf „die Anderen, die sich verändern müssen, die etwas tun sollen” projiziert wird. Oder aber: die Stummen bleiben in kranker Scham gefangen, die Wütenden fühlen sich mißbraucht und finden hier nur einen weiteren Grund für ihre Schmerzen und die Erlebnishungrigen haben ihr Erlebnis. Es ändert sich also nichts im Leben. In seiner Rede führte Thierse weiter aus: „Doch Betroffenheit, die bloß ängstig und ratlos macht, bliebe für den Einzelnen und für die Gesellschaft ohne Folgen.” Darum wurde beschlossen, unsichtbar unter dem Mahnmal einen „Ort der Information” zur „intellektuellen Auseinandersetzung” einzurichten. Das ändert aber nichts am grundsätzlichen Problem der Gestaltung, denn dieser „Ort der Information” hat im Gegensatz zum Denkmal aus Stein keine Wirkung als gesetztes Zeichen und Signal fürs Land. Er erreicht nur die Wenigen, die sich hier unter der Erde mit der Thematik intellektuell auseinandersetzen wollen, doch viele werden das sichtbare Signal des Berliner Mahnmals nicht verstehen.





Verantwortung der Menschen


Das Projekt vom Friedensmal führt weiter, damit dem erdrückenden Leid ein Wendepunkt folgen kann und so - statt dem Terror der Einsamkeit - ein Versöhnungsweg in die Freiheit und Gemeinschaft sichtbar wird. Das Friedensmal zeigt, wie das trennende und urteilende Denken dualistischer Weltsicht zu überwindend ist und so gibt es der intellektuellen Auseinandersetzung über die deutsche Vergangenheit eine Berührung im Herzen mit - das ist es, was uns wirklich weiterhelfen kann. So. entsteht eine Antwort, die der bunten Wirklichkeit, in der es nicht nur schwarz und weiß gibt, gerecht werden kann und die ein neu gesetzes Zeichen für die Zukunft unseres Landes ist.

Genauso wie es besonders an meiner „Generation der Enkel” liegt, den Schritt der Integration zu wagen, so sehr bedarf es großer Sensibilität: Versagen soll nicht im Nachhinein nur schöngeredet werden. Man wäre dann stolz auf die „bewältigte Vergangenheit” und könnte der Welt zeigen: schaut her, so macht man das! Ja, man wäre dann immer noch nicht bei sich angelangt. Genau darin liegt die Gefahr bei dem Projekt vom nationalen „Holocaust-Mahnmal”.

Der Bau des Friedensmals hat einen ganz großen Ernst: es könnte ein Mahnmal sein, - ein Mahnmal zur Liebe und als solches ist die Liebe in ihm selbst. So können mögliche negative Gefühle integriert und ins positive gewendet werden. Deshalb aber reicht es über ein Mahnmal hinaus. Das Jerusalem Friedensmal ist der nächste Schritt nach den Mahnmalen auf dem Weg des Friedens.

Darf das Friedensmal eine Nationale Gedenkstätte sein? - Kann man Frieden „von oben” anordnen? Das Friedensmal kann keinen Frieden besiegeln, sondern lässt ihn als tägliche Aufgabe stehen; als eine leise Melodie die in die Herzen spricht; ein sanftes Licht, das ins Miteinander lockt. Frieden ist eine Aufgabe, die der Mensch nur als lebendige Botschaft mit sich hinaus in die Welt und in seinen Alltag tragen kann! Die Gestaltung des Friedensmals führt in dieses Verständnis. Es ist eine Brücke.






Licht vom Friedenszeichen Warum wir ein Friedenszeichen bauen

Wenn nur noch von „Mahnmälern” gesprochen wird
- bei aller Berechtigung - aber die Idee, Zeichen des Friedens und
der Versöhnung zu setzen, absurd erscheint, weil sich für solche
Zeichen in dieser Welt niemand mehr interessiert, weil sie doch
nichts ändern werden, stehen wir dann vorm Abgrund?

Wenn es eines Tages keine heiteren Narren mehr gibt, die den
Mut haben, trotz allem und gerade weil die Welt so ist, wie sie ist,
Zeichen des Friedens und der Versöhnung zu setzen - bei aller
scheinbaren Vergeblichkeit - dann sind wir hoffnungslos im Abgrund.
Verloren.

Denn es wäre eine kalte Welt ohne Liebe. Eine sterbende Welt.

Liebe will gar nicht verändern - weder die Welt noch die
Menschen. Sie ist Veränderung. Sie mag nach Narretei
aussehen und ist doch größte Weisheit. Sie ist Leben.

Wo stehen wir?
Menschheit vorm AbgrundIntellektuelle Auseinandersetzung





Dunkelheit kann
Dunkelheit nicht vertreiben;
nur Licht kann das.

Hass kann Hass nicht vertreiben;
nur Liebe kann das.

Dr. Martin Luther King



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