Zum Wendepunkt (Kapitel)



Ein unscheinbares Licht Nichts als ein unscheinbares Licht.
In der Finsternis bedeutet es alles.


Laßt uns diesmal den Weg des Friedens wählen: wir wissen um die Dunkelheit in der Geschichte unseres Landes und um die Dunkelheit in der menschlichen Seele, und deshalb bemühen wir uns darum, statt uns von dieser Dunkelheit gefangensetzen zu lassen, selber zu einem Licht in der Welt zu werden. Dieses Denkmal ist deshalb, statt „nur ein weiteres Mahnmal” zu sein, als Friedensmal und innerer Wendepunkt - im durchbrechen des Teufelskreises - für den Einzelnen konzipiert, denn der Frieden fängt bei uns selber an.

Damit sind wir auf dem Weg der Versöhnung. Das ist ein Weg, der Grenzen achtet und in der liebevollen Berührung überwinden kann, und sich deshalb gar nicht auf einzelne Menschen oder Gruppen begrenzen läßt. Wahre Versöhnung ist wie ein Licht, das in die Welt strahlt und sie zum Leuchten bringt. Es ist dieses Licht, das der Welt von wahrem Frieden erzählt.

Die Unversöhntheit des Menschen - seine seelischen Konflikte und ungesunden Glaubenssätze - bewirken die alltägliche Gewalt und einen „Terror der Einsamkeit”* in einer Gesellschaft, die so nicht mehr entwicklungsfähig ist. Sollen uns also Klagen und Schuldzuweisungen genügen, oder ist es nicht Zeit, zu handeln? Das Friedensmal ist Zeichen wahrer Versöhnung - nach innen im Herzen der Menschen und nach außen in der Tat. Versöhnung wird die Last, die auf Deutschland wegen der Verbrechen im Nationalsozialismus liegt, durchbrechen - wenden - und sie öffnet einen Weg der Liebe, daß wir auch in anderen gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Fragen den Weg der Gewaltlosigkeit und des Miteinanders wählen. Das Friedensmal soll Idendifikationssymbol dafür sein und Menschen zusammenbringen, damit die neuen Wege auf gesellschaftlicher Ebene beschritten werden können.

Im UNESCO Geopark Bergstraße / Odenwald, ein Naturpark im Großraum Frankfurt, soll das Friedensmal entstehen. Zeichen für das Leben zu setzen ist die beste Art, zerstörerischen Kräften zu begegnen. Den Opfern von Terror und Gewalt sei hier ein Denkmal gesetzt, indem Frieden und Versöhnung gelebt werden. Dieses Friedens- bzw. Versöhnungsmal soll nicht nur einen Wunsch zeigen, sondern es soll durch die Beteiligung von Christen, Juden und Menschen anderen Glaubens, Versöhnungstat sein, und so auch anderen Menschen als Vorbild Mut machen, selbst tätig zu werden. Das Friedensmal soll zum Zeichen vieler anderer Projekte von Gruppen und Vereinen werden, die nicht nur die Antworten im Klagen, was sich in der Gesellschaft und beim Anderen ändern muß, suchen, sondern die selbst bereits Veränderung sind, und so mithelfen, wieder einen wirklichen demokratischen Gemeinsinn zu schaffen. Wer immer nur das Trennende zwischen den Menschen hervorhebt und unterstützt, darf sich nicht über das Auseinanderfallen der Gesellschaft in eine anonyme kalte Masse ohne Gemeinsinn wundern.

Heute brauchen wir Zeichen, welche Menschen in positivem Sinn ermutigen können, sich für eine lebenswerte Zukunft in unserem Land einzusetzen. Wir brauchen Zeichen für das Leben, Zeichen die unübersehbar sind und Hoffnung machen. Ohne Hoffnung ist die Depression. Der „Garten der Versöhnung” kann deutlich machen, daß positive Wendungen auch großen Umfangs möglich sind und es lohnt, sich dafür einzusetzen.

Versöhnung ist der Weg zur Heilung der größten Wunde unseres Landes. Unser Projekt der Stille wird gegenüber jedem „Schrei” zu diesem Thema wie eine leise gesungene Melodie sein und die Herzen der Menschen berühren. Versöhnung bedeutet - ganz praktisch umgesetzt - wieder miteinander zu bauen, wieder miteinander zu leben. Der Garten, einmal gebaut, kann dafür ein Zeichen der Ermutigung in der Welt sein.

* Der Architekt des Berliner Holocaust-Mahnmals Peter Eisenman sprach bei seinem Entwurf vom „Terror der Einsamkeit”.


...und das Licht leuchtet still und ruhig in der Finsternis - und es gibt sie nicht mehr.        



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