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Das Friedensmal im Garten der Versöhnung




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  "Ihr Entwurf eines Mahnmals für die Opfer des N.S. Massenmordes hat mir 
außerordentlich gefallen.  Es stellt tatsächlich einen psychologisch / philo-
sophischen Ansatz dar, der tief berührt.  Als Einzelperson, die ohne Zu-
stimmung des Präsidiums des Internationalen Auschwitz-Komitees keine 
Vereinsmeinung abgeben kann, halte ich die von Ihnen vorgeschlagene 
Lösung für besonders würdig.
  Vergleiche zu anderen Lösungen kann ich nicht anstellen, da ich die 
Diskussion in Deutschland nicht bzw. zu wenig kenne.  Ich meine aber, daß 
die Auswahlkommision gut beraten wäre, sich mit Ihrem Konzept besonders
nachdrücklich zu befassen."

  Hofrat Mag. Kurt Hacker, Präsident des Int. Auschwitz-Komitees

 
 
Die Beschreibung der einzelnen Ringsymbole
   Innerer Kreis:  Eine Wiese, die das Leben in innerer Freiheit, Liebe und Hoffnung
(Farbe Grün) symbolisiert, für das sich der Mensch in seiner gottgegebenen Freiheit
immer wieder entscheiden kann.  In der Mitte können wir Offenheit gegenüber Gott
und dem Nächsten erfahren.  Hier ist Liebe.
   Mittlerer Ring:  Auf dunklem, braunem Lava-Kies ruhen die "Projektions-Steine"
 Dieser Ring symbolisiert den Schmerz und die dunklen Schattenseiten der menschlichen
Seele, die in ihrer verheerenden Übermacht zum Holocaust geführt haben.
    Äußerer Ring:  Weißer Marmor symbolisiert die Friedensfindung.  Einbeziehung der
Vergangenheitsschmerzen.  Anerkennung von Schuld und Sühne.  Hoffnung zu den
konstanten ethischen Lebenswerten.  Versprechen der Vergebung.  Schritt ins Einssein.

Das ganze Mahnmal entspricht einer Reise in unser eigenes Inneres, denn
nur dort kann die Welt geheilt werden.

   Von oben betrachtet, erinnert das Friedensmal an ein Türschloß.  Der Schlüssel zu
diesem Schloß ist die Demut.  Durch sie läßt sich die Pforte zum Weg in die Freiheit
öffnen.  Das Friedensmal ruft dazu auf, in sich selbst zu schauen, sich der inneren 
Erstarrungen und Verletzungen (Gedenksteine) bewußt zu werden und einen Weg
der Heilung zu gehen, statt sie blind auf anderer Menschen zu übertragen.
   Die Rasenfläche des inneren Kreises durchbricht den dunklen, mittleren Ring.  So
zeigt das Friedensmal einen durchbrochenen Teufelskreis.  Die durch die Gedenksteine 
auch symbolisierten grausamen Erinnerungen bleiben nicht im abgeschlossenen Ring
eingekerkert und verdrängt, sondern sie können dank ihrer freien, lockeren Anordnung
umgangen und aus allen Perspektiven betrachtet werden.  Somit verlieren sie die
sonst für viele Menschen unerträglich erstarrte Bedrohung.  Mit dem freien Zugang
ins "Herz der Mitte" - auf das Hoffnung gebende und beruhigende grüne Rasenstück
 - wird dem Besucher eine freiwillige Zuwendung leichter gemacht, und er findet
eine Verbindung zum neuen und besseren Aufbruch und dadurch zur Schmerzbe-
wältigung und Trauerarbeit.
   Die Strukturen auf dem Platz des Friedensmals führen den Besucher um den Nukleus
(Kern).  Das bedeutet, sich von allen Seiten zu sehen, sich zu erkennen und dadurch 
zu seinem Herzen finden zu können.  Dahinter verbirgt sich die Botschaft, daß dieses
Land durch die Versöhnung zu seinem Herzen finden möge.




    Vielleicht mag sich manch einer fragen, ob es ein Zuviel an Mahn- und Denkmälern
geben kann.  Wir kommunizieren über Formen, Bilder und über die Sprache.  Denkmäler
können uns etwas erzählen und sie können zu einem Zeichen werden, das sich die Gesell-
schaft setzt, um bestimmte Aussagen verbindlicher zu machen.  Sie formen also auch
Kultur.  Ein Denkmal, das eine neue Sichtweise zeigt, das vorhandene Aussagen aufgreift
und erwidert, wird nicht daran scheitern, daß es bereits Denkmäler gibt.
    Das hier gestaltete "Friedensmal der Versöhnung" greift die Aussagen der "Mahnmal- 
debatte auf und erwidert sie, es geht einen Schritt weiter Richtung Integration und es
steht auch nicht in Konkurrenz zum geplanten nationalen Holocaust-Mahnmal des
Architekten Eisenman in Berlin. Seine Wirkung ist eine ganz andere:  die Berliner
Mahnmal-Debatte  zeigte eine Erstarrung und sie quälte sich in dem Versuch, zu 
erörtern ob man das Grauen des Holocaust in einem Denkmal sichtbar machen 
kann. Die Gestaltung vom Friedensmal hingegen spricht über Ursachen, statt sich
ausschließlich auf die Darstellung ihrer Wirkung zu konzentrieren.  Das Friedensmal 
findet einen Weg in die Herzen der Menschen.
    Mein Vorschlag für ein "Friedensmal der Versöhnung" ist, eine Bewegung im Denkmal zu 
erzeugen, um so auch die Menschen zu bewegen.  Dies gelingt, indem zwei Elemente in die
Gestaltung einfließen, die zusammen eine Spannung schaffen, welche die Kostbarkeit des 
Lebens und die Würde des Menschen verdeutlicht.  Leid und Schmerz auf der einen Seite, 
Hoffnung und Ausweg auf der anderen.  Es ist ein Denkmal, das den Wert und die Würde 
des Menschen verdeutlichen und den Holocaust in seiner absoluten Menschenverachtung 
begreifbarer machen soll.  So wird es zu einem Symbol der Demut, denn Demut bedeutet,
sich der Fehler und Unvollkommenheit des Menschen bewußt zu sein, aber auch um seinen
unschätzbaren Wert zu wissen.


· Hintergründe (anklicken)




Weitere Bedeutungsebenen der Denkmal-Gestaltung:
 - Kurze philosophische Betrachtung -

    Die Gestaltung ruft zur Selbsterkenntnis auf.  Das bedeutet nicht, sich fortwährend um sich
selbst zu drehen, wie das sogar in einer Psychotherapie passieren kann.  Ist Selbsterkenntnis
- ein sich Öffnen nach Innen - überhaupt ohne ein sich Öffnen nach außen möglich?  In der sich
nach außen öffnenden Mitte (sich gebend) des Friedensmals, die den Teufelskreis durchbricht,
kommen die Menschen zusammen. Es ist ein Ort der Kommunikation und Berührung.  Bilder
werden ausgetauscht. Diese sich nach außen öffnende Mitte ist eine Wiese. Es ist ein Ort, 
 
an dem sich der Mensch anderen gegenüber und Gott gegenüber öffnet.  Gott selbst

verändert den Menschen, der sich ihm öffnet, von innen nach außen.


Über die Bilder:
Ein Mensch kann nur das erkennen, von was er weiß.  Die Reize und Informationen der
Umwelt sprechen vorhandene Bilder im Geiste des Menschen an.  Er wird nur die Dinge
verstehen, von denen er Bilder in sich trägt.  Deshalb kann man sagen, daß jeder Mensch
in seiner eigenen Welt lebt, da er seine eigenen Bilder und Erfahrungen besitzt.  Aus diesem
Grunde kann ich auch bei meiner Denkmal-Gestaltung nicht erwarten, daß sie - trotz ihrer
einfach scheinenden Form - sogleich von jedem verstanden wird.  Dafür müssten die Bilder
im Kopf des Betrachters, die es anspricht, bereits vorhanden sein.  Vielmehr ist das Denk-
mal ein Ansporn und kann Neugierde wecken, sich den Bildern des Herzens wieder neu zu
öffnen, den Mut für den Erkenntnisprozess zu haben: Das ist die Bedeutung der Symbolik,
daß der Baum des Lebens sich im Zentrum vom Baum der Erkenntnis befindet.  Gerade durch
die innere Motivation zur Beschäftigung mit dem Denkmal, d. h. durch den Wunsch, die
Bedeutung des Friedensmals zu verstehen, kann ein neues friedvolles und lebensförderndes
Denken ins Bewußtsein gelangen. Anders ausgedrückt: Würde jeder gleich die Bedeutung des 
Denkmalserkennen, dann wäre es überflüssig, denn es soll mehr sein als eine architektonische 
Gestaltung: Es soll die Menschen bewegen und gesunde Veränderungen in der Gesellschaft 
unterstützen.

Hier offenbart sich nun eine weitere Bedeutungsebene, die sich in dem Bild des Friedensmals
mit seinem Kreis und dem weiten äußeren Platz verbirgt:  Man kann sagen, daß sich der
Mensch im Umfeld seiner Erfahrung bewegt.  Die Folgerungen die ein Mensch in diesem Umfeld
macht und die Urteile, die er trifft, erscheinen ihm absolut schlüssig.  Dafür tötet er sogar.
Aufgabe der Kultur soll sein, dem Einzelnen die Fähigkeit zu vermitteln, über den Platz der
Erkenntnis in die Mitte zu gehen, d. h. nicht mehr Gefangener auf dem Platz der Erkenntnis
zu sein, sondern aus der Mitte, bzw. von oben aus einer "Vogelperspektive" sich selber
betrachtend auf dem Platz der Erkenntnis zu sehen. So erhielte man eine immer weitere
Perspektive - man würde weiser.

Wie kann hier der Aufruf von Jesus: "Werdet wie die Kinder!" ins Bild passen?  Ein Kind, das
geboren wird, kann noch nicht "sehen", da es die Formen und Farben, die es wahrnimmt,
noch keinen Vorstellungen zuordnen kann.  Ganz natürlich hat es aber Neugierde und den
Drang zu lernen und sich eine neue Welt von Vorstellungen zu erschließen.  "Werdet wie
die Kinder!" heißt hier, nicht vorher - wie so oft beim Älteren üblich - zu urteilen und noch
den Wagemut, die Demut und Offenheit für neue Erkenntnisse zu haben; die Voraus-
setzung, seinen Erkenntnisraum zu erweitern, sich von seinen "Sonnen", "goldenen Kälbern",
Illusionen zu lösen.  So gesehen ist, den Geist eines Kindes zu haben, die Voraussetzung,
um erwachsener werden zu können.





    Ich möchte mich nun mit der Frage beschäftigen, ob der Holocaust ein Ereignis war, das
in einmaliger Weise völlig außerhalb des normalen menschlichen Verständnisses steht, das
nicht begriffen werden kann und das auch folglich in keiner künstlerischen Gestaltung
angemessen dargestellt werden kann.
Das Geschehen des Holocaust ist singulär.  Von außen her betrachtet kann es in keiner
künstlerischen Gestaltung angemessen dargestellt werden.  Hier beschreite ich aber einen
anderen Weg.  Ich möchte das Geschehen "von innen", vom einzelnen Menschen her be-
trachten.  Mir geht es also, wie schon erwähnt, vorrangig um die Darstellung von Ursachen.
So gelangt man zu der sehr wichtigen Erkenntnis, daß sich in der Geschichte der einzelne
Täter immer - auch beim Holocaust - in einem Rahmen verhalten hat, der ganz zur
menschlichen Natur gehört.  In dieser Perspektive hat das Verbrechen auf den Einzelnen
mit seinem eigenen Anteil bezogen nichts einmaliges, die Ursachen können vermittelt
 werden, Konsequenzen begriffen und eine künstlerische Gestaltung ist möglich.
    Das Potential des Menschen umfasst genauso wie das Gute auch das Schlechte.
Es gilt zu lernen, sich selbst zu erkennen, damit man mit all seinen Seiten umgehen kann.
Denkmale gehören zur Kultur.  Eine wichtige Aufgabe der Kultur ist es, den Menschen
aufzuklären und zum Guten zu leiten, indem sie die entsprechenden positiven Bilder ver-
mittelt.  Aufgabe der Kultur muß sein, die positiven Kräfte zu stärken.  Deshalb sollte auch 
gerade ein Holocaust-Gedenken das Gute im Menschen ansprechen und stärken, soll es
tatsächlich zu einer positiven Veränderung und Stabilisierung einer zivilisierten Gesellschaft
beitragen.  Dies ist eine weitere Bedeutungsebene der Gestaltung:  Das von mir vorge-
schlagene Denkmal zeigt den angesprochenen Erkenntnisprozess - man sieht auch, daß
das Potential zum Guten und das Potential zum Schlechten eine Einheit (Kreis) bilden,
daß Trennung keinen Sinn macht.


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