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Kommentar von Ursula Roeder-Wolf (Autorin)

"Viel wurde inzwischen über die Erstellung eines nationalen Holocaust-Mahnmals im Herzen
Berlins diskutiert. Die Wunden, die auch dem Tätervolk geschlagen und eingebrannt wurden,
ließen offenbar keine für alle Sensibilitäten gerechtwerdende Lösung zu. Sicherlich hat das
etwas mit einer noch zu großen Nähe der älteren Menschen zu tun. Und nun wird wie aus
'heiterem Himmel' eine sehr denkwürdige, interessante Gestaltungsidee von einem Vertreter
der Enkelgeneration gebracht, und damit sollte man sich allen Ernstes beschäftigen, denn
es leuchtet ein, daß diese Nachfolgegeneration unbehafteter reagieren kann.

Der Vorschlag von Thomas Zieringer bietet eine unwahrscheinlich schlüssige Denkmalge-
staltung an, die entgegen moderner Zeit-Monumente eine Mahnmalstätte entwickelt, die
ineinandergreifende Vorgänge in den verschiedenen Ringen deutlich macht und sie in Bezug
zu einer fließenden Bewegung setzt, in der nicht nur der Tod und das Grauen bzw. die
Erstarrung zum Ausdruck kommen, sondern auch die andere lichte Polarität, in die der
Mensch bei seiner Geburt gestellt wird, und aus der heraus er Auswege, Sühne in Demut
und Hoffnung finden kann.

Wir müssen diese Sicht der jungen Menschen sehr begrüßen und bedenken, daß das, was
wir heute bauen, vor allem zum Wohle unserer Kinder gebaut werden sollte. Wenn wir
Mahndenkmäler setzen wollen, dann sollte diese Enkelgeneration einen verständlichen
Zugang zu dem Denkmalinhalt finden können und eine Hilfe bekommen für ihre eigene
Lebensbewältigung. Wir müssen ihr Mut machen, Mut für eine gute und tröstliche Zukunft,
und wir müssen ihr das Vertrauen vermitteln, daß sie mündige Lebensträger für eine
gerechte und gute Welt sind.

Durch die von Thomas Zieringer in Unruhe und Aufregung durchgearbeitete Vision seines
Friedensmals erfahren wir die gute und richtige Wegweisung zur Lösung innerer
Probleme, Verklemmungen und Schwierigkeiten und gerade, weil er das Friedensmal
direkt und unmittelbar vom allumfassenden Individuum Mensch her aufrollt und die
Volksverirrungen mit den in jedem Menschen angelegten polaren Naturen erklärt, die einen
Menschen einmal durch unverarbeitete Verletzungen, Kränkungen, Minderwertigkeitsgefühle
etc. zum kranken Wesen oder mit der Kraft der Liebe zu einem gesunden, heilen Wesen
machen, kann man bei seinem Friedensmal von einer gelungenen Symbiose sprechen: es ist
eine würdige Erinnerungsstätte des vergangenen Holocausts und ein stiller Meditationsplatz
für Menschen jeden Alters, die Antworten suchen bei ihrer eigenen Lebensherausforderung."



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