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Ein persönliches Wort des Autors

Das Leben hat so viel Tiefe zu bieten. Die persönliche Entwicklung scheint immer weiter gehen zu können... Gerade in unserem Land, wo die Verhältnisse immer noch recht gut sind, kann man sagen: man steht dem Glück meist selbst im Weg. Also soll man das, was den Schmerz bringt, bei sich selbst verändern. So reich werden wir beschenkt, und doch so wenig sehen wir noch den Wert. Das Leben scheint mir ein Prozess zu sein, aus dem kleinlichen selbstbezogenen Denken herauszufinden - in die Freiheit. Der „freie Wille” ist so eine Sache. Wirklich frei ist man selten. Denn Entscheidungen hängen von früheren Erfahrungen mit ihren Bildern ab und jeder Mensch trifft so immer - da eben wo er gerade steht - „die richtige” Entscheidung; auch wenn sie von außen eher nach einem leidenschaftlichen „Leiden schaffen” ausschaut. Freiheit entsteht aber da, wo ich mich aus meiner erstarrten Bilderwelt mit ihren Vorurteilen, Ängsten und Erwartungen lösen kann und scheinbar haltlos meiner Sehnsucht folge.

Und was ist diese Sehnsucht? Ich will durchs Leben tanzen, lieben und singen; bei meiner inneren Freude sein und sie ausdrücken. Das ist eine großartige Philosophie; wie ich finde die großartigste. Will man sie lernen, soll man das Leben studieren. Eigentlich genau da, wo man sich gerade wieder selbst im Wege steht. Was schimpfte Jesus über die Schriftgelehrten; und ein paar Jahrhunderte später übernahmen sie in seinem Namen die Macht... - es ist ein schmaler Weg. Kennen Sie die Freude, dieses Strahlen von Innen? Was ich meine ist, es immer in neuer Weise in Liebe und Dankbarkeit auszudrücken und damit die Welt zu verändern, sie in der Liebe zu bezaubern - durch die Worte, durch die Bewegung, mit Musik, Gedichten, Kunst... - was eine Philosophie! Das darf keine blutleere Kopfgeburt sein. Man kann's nicht studieren sondern nur ausdrücken! Leben! Was es ausmacht ist der Mut, in Würde und Redlichkeit dafür einzustehen.

Das bedeutet eben auch, nicht mehr von anderen Menschen zu erwarten, daß sie einem gut begegnen und sich womöglich gekränkt zurückzuziehen, wenn dies nicht geschieht. Es bedeutet zu erkennen, im welchem Zustand die Welt ist und welch großen Beitrag man im täglichen Leben in der Liebe für diese Welt geben kann. Es ist in der eigenen Verantwortung, Meisterschaft anzunehmen und - statt sie von Anderen zu erwarten - die positiven Impulse selbst zu setzen. So findet man aus der Opferrolle in ein neues Bewußtsein der eigenen Würde im Menschsein.

Wie auch schon der einflußreichste Philosoph der Antike, Platon, von der „Ideenwelt” sprach, so gehe ich von dem Gedanken aus, daß den Dingen dieser Welt eine Ebene der Ideen übergeordnet ist. So wird jeder Versuch, die Welt langfristig durch bloßen politischen Aktionismus ohne Vision zu verändern, zu einer Kinderei. Um die Welt im Sinne eines sichtbaren geistigen Fortschrittes zu verändern, ist gerade auf dieser Ideenebene anzusetzen - nicht die Symptome, sondern die Ursachen der Leiden behandelt auch ein guter Arzt. So geht es beim Fridensmal, bei dieser „Vision einer neuen Menschlichkeit” um eine Idee, die in die Welt gesetzt wird; um eine Arbeit in der „Ideenwelt”. Es möge verstanden werden, daß die Ideen und die gemeinsamen Visionen, denen eine Gemeinschaft folgt, langfristig wichtiger sind als das politische Alltagsgeschäft. Denn jenes folgt auch nur den bereits im Geistigen gegründeten ursächlichen Ideen. „Die Staaten blühen nur, wenn entweder Philosophen herrschen oder die Herrscher philosophieren.” (Platon)

Dieses Werk sei dem Bereich der christlich-jüdischen Mystik zugeordnet. Gerade weil es einen seelischen Prozess darstellt, welcher der Sehnsucht der Seele nach Licht und Liebe folgt, ist die damit verbundene Arbeit nahe am Leben der Menschen: sie beschäftigt sich mit der Frage nach der Heilung der Vergangenheit in der Erinnerung persönlichen Erlebens und im kollektiven Gedächtnis eines Volkes. Die so gewonnene Antwort ist zugleich ein Beitrag, daß sich das „Globale Dorf” - auch das vor der Haustüre - mit seinen verschiedenen Kulturen und Religionen in Zukunft wird friedlich gestalten lassen.

Die christliche Mystik hatte ihre Blütezeit im späten Mittelalter. Es ist zu hoffen, daß sie eine Renaissance erlebt und dazu kann dieses Projekt beitragen. Karl Rahner, einer der bedeutenden katholischen Theologen und Religionsphilosophen der Neuzeit, schrieb: „Der Fromme von Morgen wird ein Mystiker sein, einer, der etwas erfahren hat, oder er wird nicht mehr sein.” Dieses Werk ist in aller geistigen Freiheit entstanden und vom ganzen Herzen her im Vertrauen auf Gott einem Suchen nach Wahrheit und Weisheit verpflichtet.

Thomas Zieringer, 14. 1. 2007