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Die Kraft des Zeichens

Eine Idee kann die Kraft haben, einer Gesellschaft Veränderung zu bringen. Der Ausdruck einer Idee - ein Symbol, ein Denkmal - befördert sie und so kann in diesem Denkmal die Kraft der Veränderung - alles Leben ist Veränderung - wirken. Es wäre die erste Gedenkstätte in Deutschland in Form eines Friedensmals in diesem Kontext. Diese Stätte bringt ins Bewußtsein, daß ein Denkmal nicht zwangsläufig auf die Vergangenheit bezogen sein muß, sondern gleichermaßen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verbindend ansprechen kann. Warum gab es bislang noch kein solches Friedensmal, aber es gibt so viele Mahnmale, die ohne Hoffnung und Leben kaum noch von der jüngeren Generation angenommen werden? Spricht nicht aus aller Absicht der Konfrontation mit Vergangenem ohne die Integration, ohne die gute Frucht der Anstrengung im Blick zu haben, eine Blockade?

Das Friedensmal bricht die Bindung an den Glauben an eine fruchtlose Konfrontation ohne Aufbruch und Heilung, der eigentlich eine Opferhaltung bezeichnet, auf. Es befreit als Wendepunkt zur Arbeit für eine bessere Zukunft, eben als Konsequenz schlechter Erfahrungen der Vergangenheit; damit ist gerade auch der Einzelne gemeint. Es befreit Deutschland dazu, sich mit Kraft seiner geschichtlichen Verantwortung zu stellen und im Sinne des Friedensmals in der Welt zu wirken. Es befreit dazu, nicht nur die Last im Vergangenen zu sehen, sondern auch die Möglichkeit gerade wegen dunkler Erfahrungen in der Vergangenheit heute einen Segen zu bringen. Wobei „Segen bringen” gerade nicht bedeutet, dass am deutschen Wesen die Welt genesen müsse, sondern vielmehr, dass man die Vorstellungen anderer achtet, bei sich bleiben kann und ein gesundes Gefühl zu sich selbst entwickelt. Es befreite Deutschland auch aus seiner Opferhaltung, die zunächst geschichtlich betrachtet kurios erscheinen kann, aber dialektisch betrachtet in der einseitigen Bindung an die Stufe der Konfrontation begründet liegt. Die Überwindung dieser Bindung öffnete auch den Blick (wieder) für das Geistige. Damit ist viel erklärt.

Das Konzept vom Friedensmal beruht auf einer Einsicht, die schon Platon in seiner Ideenlehre zum Ausdruck brachte: Alle Entwicklungen, die wir in der Welt erkennen sind Auswirkungen von Ideen im Geistigen. Veränderung kann also auch nur zunächst im Geistigen geschehen. Dort wird sie in Gang gesetzt, dort gilt es zu arbeiten. Der Versuch die Welt zu verändern ohne Beachtung der geistigen Realität ist wie ein „Kampf gegen Windmühlenflügel” - fruchtlos. Und dann kommt die Idee in die Welt und muss sich im Materiellen verankern, z. B. durch ein Denkmal. Es ist zu hoffen, daß in unserer Gesellschaft rechtzeitig die Erkenntnis wiederentdeckt wird, wo Heil und wo Unheil liegt, daß sie wieder lernt dem Geistigen den Stellenwert zuzumessen, den es tatsächlich auch innehat. Das scheint mir eine Überlebensfrage unserer Kultur und Gesellschaft zu sein. Deutschland wurde einst als Nation der Dichter und Denker bezeichnet. Aber wo stehen wir heute?

Das Friedensmal liegt am Europäichen Fernwanderweg Nr. 8 und ist nur über einen Fußmarsch zu erreichen. Darin liegt die Botschaft, daß man sich für den Frieden auf den Weg machen muß, daß die Bewahrung von Gutem, Schönem und Wahrem immerwährender Anstrengung bedarf und daß das Wahre und Echte oft im Stillen, im unwichtig und klein erscheinenden zu finden ist - und nicht im Lärm der Welt. Weil das so ist, kann und darf sich ein Friedensmal auch nur von unten her - vom Einzelnen, der seine eigene Verantwortung wahrnimmt - entwickeln und eben gerade nicht als von oben geplantes Projekt der politischen Klasse. Letzlich ist so der verstehende Besucher dieses Friedensmals das eigentliche Friedensmal in der Welt -
als Licht in der Welt.