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Herzensbildung

„Was soll denn so ein Friedensdenkmal der Welt helfen?” - fragt so mancher Mensch, der sich auf dem Boden der Tatsachen weiß und sich gerne als Realist sieht. Wie realistisch ist aber tatsächlich derjenige, der nicht die Macht der Idee anerkennt? Sind es nicht so oft die kleinen und zunächst abwegig erscheinende Ideen, die dann doch die Welt verändern? Was soll also dieses Friedensdenkmal der Welt helfen?

Man muß als einzelner Mensch seiner Sehnsucht Ausdruck und Gestalt verleihen können, damit diese Sehnsucht nicht stirbt.
Aber auch eine Gesellschaft muß dem Ausdruck verleihen, was da an Wünschen und Ängsten vorhanden ist, um Orientierung und Klarheit zu gewinnen. Das Friedensmal ist ein Ausdruck der Sehnsucht nach Freiheit und Frieden im Menschen.

Das Friedensmal taugt nicht zur politischen Kontroverse. Es ist nicht exklusiv für eine bestimmte Opfergruppe, sondern es ist für alle Menschen heute gebaut. Es trägt die Botschaft von neuem Leben. In einem christlichen Konzept ausgedrückt entspricht es der Botschaft von Ostern. Andere Religionen haben andere Metaphern. Beim Friedensmal wird Leid nicht gegenseitig aufgerechnet. Leid ist zu transzendieren und eine Last in Segen zu wandeln. Das Leid ist der in dieser Welt gefangenen Menschenseele zugeordnet. Aufgabe sei aber zu finden, was Erlösung vom Leid und seelischer Gefangenheit bringt und sich dafür einzusetzen, dafür zu leben, es durch einen fließen zu lassen; tatsächlich zu lernen die Liebe zu leben - da „der Sohn”
in einem selbst Wirklichkeit wurde, weil er erkannt wurde. Man findet sich dann selbst als Sohn, als Tochter dessen, der/die/das als Macht hinter allem Leben steht. In den Worten der christlichen Mystik: "Wäre Christus tausendmal zu Bethlehem geboren und nicht in dir, du wärest ewiglich verloren."  (Angelus Silesius)

Die (Erinnerungs)steine im Friedensmal sind deshalb leer; offen und frei für das, was da an Projektion im Menschen vorhanden ist. Denn:
das eigentliche Friedensmal kann sich nur im Menschen selbst verwirklichen. Als Friedensmal für unser Land möge auf die Steine die Last der deutschen Vergangenheit projiziert werden: Verfolgung, Krieg, Shoah. Jeder dieser Steine steht aber für die Wandlung der Last in einen Segen für die Zukunft, was „deutsche Verantwortung” sei.

Auf die Qualität der Idee kommt es an und nicht, dass sie gleich überall verstanden wird.

Das Friedensmal ist eine Idee, die für das Leben steht. Sie soll ein notwendiger Beitrag zur deutschen Kultur sein. Sie möge als solche - in Stille - gewürdigt und gefunden werden. Das Friedensmal steht für die Versöhnung - in Wahrheit, Gerechtigkeit und Vergebung; was eben im „Baum des Lebens im Friedensmal” geschehen kann. So können dann manche Menschen auch erkennen:
wir schaffen keine Versöhnung, weil wir weder Wahrheit, noch Gerechtigkeit, noch Vergebung fertigbringen. Und so zielt dann das Friedensmal auch auf das Eigentliche, was der Mensch in seinem Glauben an eine tiefere Wirklichkeit bzw. Höhere Macht finden möge: ein Frieden und eine Gereichtigkeit, die ganz natürlich aus dem eigenen Herzen heraus in die Welt wirken möchte.

Christlich ausgedrückt: Der Friede, nach der sich die Menschheit sehnt, wächst aus der Versöhnung, für die wiederum Vergebung die Voraussetzung ist. Dann ist der Friede mit und von Gott möglich. In dem Wort Versöhnung steckt als Bedeutung das Wort Ver-Sohnung. Es ist der Friede, der sich auf dem Weg
(mit Gott) zu sich selbst finden läßt und den der Einzelne so - im Sohn - in die Welt schenken kann.