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Öffentliche Reaktion auf Anordnung gegen Jerusalem Erinnerungsstein
Die Anordnung zum Rückbau wurde im Herbst 2014 zurückgezogen

Die Vereinsberichte der Jahre 2013 und 2014 machen in einem Überblick deutlich, was den Streit ums Friedensmal ausmachte: Protokoll des Jahres 2013  -  Protokoll des Jahres 2014

Hinter der Auseinandersetzung verbarg sich mehr als ein 1,3 qm Fläche einnehmender angeblich illegal gebauter Jerusalem Erinnerungsstein auf unserem Grundstück. Er war nur zum "Stein des Anstoßes" und durch den Abrissbescheid zum Symbol geworden. Letztlich ging es um eine fehlende Wertschätzung für eine private Initiative, die sich ihren Weg gegen Widerstände erkämpfte, was zu weiteren Reibungen führen musste. Dieser Hintergrund, der sich auch in der Medienberichterstattung zeigte, wird im letzten Teil dieses Artikels unter der Überschrift "Kontroverse" beleuchtet.

Zum Eklat kam es in einer gespannten Atmosphäre tatsächlich durch eine Entwässerungsmaßnahme, die um die Bausubstanz zu schützen durchgeführt werden musste. Eine Abstimmung mit der Behörde war nicht möglich gewesen und unserem Verein fehlte es dabei nicht an Initiative. Der ganze Vorgang, der nicht an die Öffentlichkeit kam, wird hier geschildert: Entwässerungsmaßnahme

Auf Grund von Missverständnissen wollte man auf der Seite der Behörde mit dem Abrissbescheid ein Zeichen für seine Autorität setzen. Ursache der Verwicklungen waren gar nicht Böswilligkeit auf der einen Seite und der laxe Umgang mit Vorschriften und Gesetzen auf der anderen Seite, sondern dass man nicht miteinander mit dem Willen zum ehrlichen Verständnis reden konnte. Der Jerusalem Erinnerungsstein stellte bis dahin kein Problem dar. Er war sogar zuvor mit Vertretern des Kreises Bergstraße eingeweiht worden. Er diente in der nun folgenden Auseinandersetzung mit der Behörde als Projektionsfläche; es war also genau so, wie es so oft bei "Jerusalem" der Fall ist.

Die Probleme führten aber auch zu positiven Veränderungen. Die Entwässerungsmaßnahme wurde von uns durch eine Gestaltung von "Engelsflügeln" umgesetzt. Sie bilden nun einen Rahmen für das Denkmal, wie auch ein schönes Bild erst durch den richtigen Rahmen wirkt. Das Denkmal kommt heute also durch die Engelsflügel und die Anplannierung deutlich besser zur Geltung. Das war so nicht geplant, aber diese Lösung, die sich im Spiel mit dem Leben entwickelte, hat im Nachhinein unserem Vorhaben sehr genutzt. Mit der Kreisbehörde musste nach dem Eklat auch wieder ein Weg ins Miteinander gefunden werden. Wir einigten uns darauf, dass der Jerusalem Erinnerungsstein stehen bleibt, ich aber die starre gerade Umrandung des Kiesbetts in dem der Stein steht, wegnehme. Ich baute dann mit viel Aufwand eine neue organisch wirkende Umrandung ohne die Verwendung von Beton, die den Stein sogar besser zur Geltung brachte (siehe Bild oben).



Der Eklat in den Medien:

-->  Bericht im Hessischen Runfunk (Radio) über die Anordnung der Kreisbehörde Bergstraße (7. 4. 2014)


-->  Bericht in der Hessenschau (HR-Fernsehen) über das Abrissvorhaben (1. 4. 2014)


-->  Bürgerbriefe für den Erhalt des Jerusalem Erinnerungssteins (10 Seiten)


-->  DGB-Bensheim tritt für Erhalt des Jerusalem Erinnerungssteins ein (27. 3. 2014)


-->  Bürgermeisterkandidat Franz Apfel tritt für den Erhalt des Gedenksteins ein (Februar 2014)




Kontroverse

Am Anfang der Kontroverse stand eine
Anzeige auf dem Titelblatt der Jerusalem Post.

Es steht zu der Anerkennung aus Israel in starkem Kontrast, wie darauf hin
zu Hause in Deutschland berichtet wurde. Die negativen Aktionen gegen das Friedensmal-Projekt nahmen in der Folge zu und unser Verein wurde alleine gelassen. Das ging haarscharf daran vorbei, dass dieses ganze Projekt hätte aufgegeben werden müssen. Dabei gab es einen großen Unterschied zwischen den positiven Reaktionen der Menschen, die unvermittelt am Friedensmal vorbei wanderten und dem Bild einer Kontroverse in der veröffentlichten Meinung. Das Friedensmal wird tatsächlich gut angenommen, auch wenn es oft so nicht in Leserbriefen dargestellt wurde. Auch der Ort abseits von einer Großstadt ist gut gewählt. Die Bänke am Denkmal werden so gut genutzt, dass sie bereits renoviert werden mussten. Immer wieder liegen Kieselsteine (eine jüdische Sitte) auf den Gedenksteinen. Der Ort wird als besonders licht- und friedvoll wahrgenommen. Häufig kommen auch Schulklassen auf Wanderungen vorbei, wobei auffällt, dass sich die Kinder wirklich dafür interessieren die Gestaltung und ihren Sinn mit den eigenen Sinnen zu erfahren; es ist greifbare Form auf 3200 qm, die anspricht. Man sieht auch manchmal Menschen barfuß durchs Friedensmal laufen. Das soll bedeuten, mit den Schuhen zusammen seine Vorurteile abzulegen.

Es ist in Wirklichkeit alles sehr anders, als es in diesem
Artikel bei „SciLogs” beschrieben wird. Die Erfahrungen am Ort sind mehr als positiv. Zum Beispiel wurde in der veröffentlichten Meinung das Bild einer Landschaftsverschandelung gezeichnet. Tatsächlich sind aber die meisten Besucher vor Ort gerade von der Schönheit der Gestaltung angetan. Wie anders geht man sonst in Deutschland mit Bürgerengagement um! Man sieht das Positive, unterstützt es und es entsteht nicht der Eindruck, es würde dagegen gewirkt werden. Was ist also los? „SciLogs” schreibt dazu: „Der entscheidende Mangel in dem gesamten Vorhaben ist sein privater Charakter. Es gab im Vorfeld weder eine gesellschaftlich verankerte Entscheidungsfindung noch einen kollektiv geführten Gestaltungsprozess. Beides wären Voraussetzungen für die ideell-gesellschaftliche Bedeutung, die für ein Denkmal im engeren Sinn typisch ist.” Bildete aber nicht unter anderem „der Hang zum Kollektivismus den Nährboden für den Antisemitismus in Deutschland” zur Zeit des Nationalsozialismus?

Lesen Sie hierzu diesen kurzen Einwurf: Warum die Deutschen, warum die Juden?
Unter diesem Link finden Sie zwei Rezensionen zu einem Buch von Götz Aly.

Der Vorwurf der
„gesellschaftlich nicht verankerten Entscheidungsfindung” ist nicht richtig. Das Friedensmal wurde im Ortsbeirat Hochstädten befürwortet und von der Stadt Bensheim und dem Kreis Bergstraße genehmigt. Es war in allen Gremien und wurde diskutiert. Die Stadträte und die Parteien hatten entschieden. Die Presse berichtete ausführlich und positiv. Was eigentlich passiert war, dass dann später eine Kontroverse in Medien und Politik gezeichnet wurde und Politiker auf die es angekommen wäre dem Projekt keine öffentliche Unterstützung geben wollten, sollte hinterfragt werden. Aber bitte nicht, dass Kunst individualistisch ist. Inspiration ist normalerweise etwas ziemlich Privates, kommt sie doch aus der Seele des Künstlers. Kollektiv geführte Gestaltungsprozesse führen zu politisch anerkannten Ergebnissen, aber nicht, nur weil sie „kollektiv geführt” wurden, deshalb gleich zur gelungenen Kunst. Hatte man sich nichts dabei gedacht, als man ins Grundgesetz unter Artikel 5 schrieb, dass die Kunst frei ist? Sprechen daraus nicht gerade Erfahrungen aus dem Nationalsozialismus?

Ist das Problem vielleicht nur eine politische Ideologie, die vor dem individuellen freien Ausdruck Angst hat und selbst Kunst in
kollektiv geführte Gestaltungsprozesse pressen will? Geführt dann von denjenigen, die sich in der Sache zum bestimmenden Kollektiv gezählt hätten. Mehr Einblick in Ursachen einer Gegnerschaft zum Friedensmal in bestimmten Kreisen am Ort gibt diese Zuschrift an unseren Verein: „Als reicher Mann können Sie Ihre Grundstücke kaufen und dort individuell Ihre Vorstellungen realisieren - ob sie dort passend sind oder nicht.” Ist das also ein Aufruf dazu, dass sich angeblich reiche Leute nicht für die Gesellschaft engagieren sollen? In der bereits angesprochenen Rezension des Buches von Götz Aly in der Süddeutschen Zeitung heiß es: „Der Historiker belegt seines Erachtens (des Rezensenten) mit zahllosen Quellen, wie nicht nur Untertanengeist, völkisches und rassistisches Denken, sondern vor allem Antiliberalismus, sozialstaatliches Gerechtigkeitsstreben, Neid und der Hang zum Kollektivismus und zur Sicherheit in der Gruppe den Nährboden für den Antisemitismus in Deutschland bildeten.”

Übrigens ist es wahr, dass das Denkmal mehr oder weniger
ein Einzelner gebaut hat, ABER aufgegeben wurde das Projekt nur deshalb nicht, weil sich andere Menschen und Gruppen, national wie auch international dafür einsetzen wollten, als es wegen eines Abrissbescheides vor seinem Ende stand: Menschen mit unterschiedlichen Religionen, die mit ihren Briefen halfen, sowie die Ortsgruppe des DGB, die Ortsgruppe der SPD mit einer Pressemitteilung, die Bürger für Bensheim, ein Mitarbeiter vom HR, ein jüdischer Sänger, der Sohn eines ehemaligen Insassen von Auschwitz, ein Rabbiner, ein jüdischer Verein gegen Antisemitismus, ein Freund von Frau Buber-Agassi, Freunde in Israel... das ging alles von Einzelnen! oder wenigen Menschen aus, die den Unterschied machten und viele Menschen erreichten. Eine positive Öffentlichkeit gab es vor allem international über ein soziales Netzwerk. In Deutschland überwogen dort leider die negativen Kommentare, in denen ein Abriss von Mahnmalen in Deutschland ansich gefordert wurde. Aber auch das half vielleicht zur Nachdenklichkeit darüber, wer sich mit wem gegen das Friedensmal mit dem Jerusalem Erinnerungsstein solidarisieren würde.