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Grußwort des Frankfurter Rabbiners Andrew Steiman zur Einweihung des Jerusalem Erinnerungssteins

Aus dem Talmud, Traktat Kidushim: „10 Maße Schönheit kamen in die Welt herab; 9 erhielt Jerusalem und 1 Maß die ganze Welt”.

Jerusalem ist mehr als ein Ort, Jerusalem ist ein Zustand der Schönheit. Jerusualem ist überall dort, wo Schönheit ist. Nun ist auch etwas davon bei Ihnen in Bensheim;
und Bensheim kann damit auch in Jerusalem sein, wenn es will.

Um in das Jerusalem von oben zu gelangen, muß man durch das Jerusalem von unten. Diese Möglichkeit hätte nun jeder in Bensheim. In Jesaja heißt es: „Schmücke dich herrlich, Jerusalem.”

Jeder Jude, der in die Synagoge geht, kennt den Spruch des Jesaja: „Denn von Zion wird Weisung (Tora) ausgehen und das Wort G*ttes von Jerusalem.”

Der Prophet Sacharia meint: „Es sollen sitzen auf den Plätzen Jerusalems Männer und Frauen und die Stadt soll voll sein von Kindern, die dort spielen.”

Mit diesen Gedanken will ich enden, denn es drückt eine Zukunft aus, wenn Sie die Kinder sehen möchten, die dort spielen. Wir reden am Ende eines jeden jüdischen Festes von der Zukunft und wir beenden das Fest mit den Worten:
Nächstes Jahr in Jerusalem.

Finden Sie selbst heraus, ob Sie das Jerusalem unten oder das oben oder das hier in Bensheim meinen. Das ist Jerusalem alle Mal wert, das ist man sich selbst alle Mal wert
.




9 Tage nach der Einweihungsfeier wurde der Jerusalem Erinnerungsstein entwürdigt.

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Am 30. Oktober 2012, nur 9 Tage nach der Einweihung, wurde der Jerusalem Erinnerungsstein entwürdigt. Das ist inbesondere deshalb so traurig, da es sich um ein die Menschen verbindendes Friedensprojekt handelt. Es geht um das achtsame Zusammenleben miteinander.

Offensichtlich wurde das Friedensprojekt als Projektionsfläche missbraucht von Menschen, die nicht im Frieden mit sich sind und es nicht vertragen, wenn sich andere für eine gute Zukunft miteinander engagieren.



Jerusalem Erinnerungsstein entwürdigt

„Jerusalem ist überall dort, wo Schönheit ist. Nun ist auch etwas davon bei Ihnen in Bensheim; und Bensheim kann damit auch in Jerusalem sein,
wenn es will” - ließ der Frankfurter Rabbiner Andrew Steiman in einem Grußwort zur Einweihung des Erinnerungssteins am 21. Oktober 2012 in Bensheim-Hochstädten ausrichten. Doch lange war Jerusalem nicht in Bensheim. Kaum neun Tage nach der Einweihung des Jerusalem Erinnerungssteins wurde er entwürdigt.

Die Denkmalstätte stehe dabei gerade auch dafür, dass es nicht beim Mahnen bezüglich der Vergangenheit bleibe, sondern dass wir in den Frieden und ins neue Miteinander gehen wollen, sagt der Initiator Thomas Zieringer. Es sei als Friedensmal geplant worden, das die Frage nach dem äußeren Frieden mit der Frage nach dem inneren Frieden verknüpfe.

Was können wir als Gemeinschaft gegen den Hass tun? Es werde zugeschaut, wie diese Gesellschaft Stück für Stück ihre Werte aufgebe: „Ja, das ist eben der Vandalismus heutzutage.” Oder: „Ja, es ist zwar kein jüdisches Denkmal, aber da sind Elemente drin, dass Leute es trotzdem so interpretieren könnten.” Wenn man nicht mal mehr Schönes für Andere auf dem eigenen Grundstück mit dem eigenen Geld schaffen könne, weil Mitbürger sich sogar am Wort „Jerusalem” auf einem Stein stören, ist es da nicht sogar konsequent, sich nur noch um seine eigenen Angelegenheiten zu kümmern? Könne es wirklich sein, dass Menschen in einem europäischen Land nicht mehr wissen, wie sehr „Jerusalem” zur eigenen abendländischen Kultur gehöre?

Die Schrift, die zerstört wurde, bildete den Satz: „Yerushalayim - dass wir die Zäune im Miteinander überwinden”.