Garten der Freiheit Ein Ort des Jerusalem Friedensmals

Der Garten der Freiheit am Europäischen Fernwanderweg besteht aus dem Jerusalem Erinnerungsstein am Weg für den äußeren Frieden und dem 26 m großen Friedensmal Wendepunkt (oben im Bild) für den inneren Frieden. Geht man um das Friedensmal im Kreis, kommt man doch immer wieder an der gleichen Stelle an. Man dreht sich solange um sich selbst, bis man innehält und ins Innere in den "Baum des Lebens" (liegend im Denkmal dargestellt) tritt. Information: Diese Website besteht aus 150 Webpages. Die mit + gekennzeichneten Menüpunkte oben in der Leiste zeigen Untermenüs an.


Was Freiheit bedeutet

Was macht unser mentales und emotionales Gefängnis aus? Was braucht es, dass der Mensch frei und selbstbestimmt leben kann? Der Garten der Freiheit befindet sich in Deutschland. In der Gestaltung wird deutlich, dass Freiheit nur einer inneren Bewusstheit entspringen kann, die weiß, worin die eigene Kultur gegründet ist und daher dem Geist im Menschen Zuversicht und Schutz geben kann, die Himmel zu entdecken.

Es braucht also die Anerkennung der Wurzeln der eigenen Kultur, insbesondere der Wurzel Jerusalem und eine Heilung in dieser Beziehung. Damit wird das tiefste Trauma der deutschen Nation zum Thema, den Mord an den Juden und damit die Zerstörung am eigenen kulturellen und geistigen Fundament. Thema wird damit auch die Instrumentalisierung des Holocaust, statt dass tatsächlich aus dieser Vergangenheit gelernt würde, dass der Mensch mutig für die Freiheit - gerade auch die Freiheit des Anderen - eintreten will.


Segnung Rabbiner
Rabbiner Mordechai Mendelson setzt den Wendepunkt mit der Aufschrift Chai, d. h. für das Leben, in das Zentrum des Friedensmals ein (Bericht in Focus)


Das Friedensmal richtet sich nicht gegen Mahnmale, die ein notwendiger Schritt im Erkenntnisprozess sind und es geht auch nicht weniger tief als es beim Mahnmal der Fall ist. Es ist notwendiger Ausgleich, denn Mahnmale wecken auch Schuldgefühle, die sich instrumentalisieren lassen. Es geht darüber hinaus und ist schwieriger zu bewältigen als ein Mahnmal: beim Friedensmal geht es um die Selbsterkenntnis, die es für eine echte innere Veränderung braucht.


Kein Schlussstrich; ein Wendepunkt

Es gibt neben dem verkrampften Festhalten an der Vergangenheit, damit gibt es keine Lösung, dass sich Vergangenheit nicht wiederholt, und dem "Schlussstrich", der auch keine Lösung ist, sondern Selbstbetrug, die 3. Möglichkeit des Wendepunktes. Nelly Sachs schrieb bereits kurz nach der Shoa in einem Gedicht: "Die ihr keine Mörderhand erhobt, die ihr aber den Staub nicht von eurer Sehnsucht schütteltet, die ihr stehenbliebt, dort, wo er zu Licht verwandelt wird". Da ist der Wendepunkt zum Leben; für Deutschland.

Dieses Projekt zeigt einen Weg, die jüngere deutsche Vergangenheit so zu integrieren, dass eine "deutsche Erbschuld" nicht immer noch weiteres Unheil verursacht. Leider zeigt die aktuelle politische Situation in Deutschland nur allzu deutlich, dass es diesen Teufelskreis tatsächlich gibt. Beim Garten der Freiheit geht es darum, den Teufelskreis zu verlassen. Was es braucht sind Menschen, die diesen Ausgang wahrnehmen wollen.


Jerusalem Friedensmal Regenbogen
Nach der Segnung durch den Rabbiner kam ein großer Regen und dann ein Regenbogen Richtung Jerusalem (Film auf YouTube)


Hinwendung zum Leben

Man hat die Macht, sich selbst zu ändern und dadurch sein Schicksal. Andere Menschen oder gar ganze Nationen von außen zu ändern ist nicht möglich; das können sie nur selbst tun. Die deutsche Vergangenheit hat Ursachen, die auch im Charakter der Deutschen liegen. Solange diese Schwächen nicht erkannt werden, kann sich Vergangenheit in ihren negativen Aspekten in einem anderen Gewand wiederholen. Es geht bei der Selbsterkenntnis darum, aus dem Gefängnis der eigenen Selbstherrlichkeit herauszutreten und sich von Täuschungen zu befreien. Das ist eine Hinwendung zum Leben. Es geht um Befreiung und nicht um die Vermittlung von Schuldgefühlen. In der Selbsterkenntnis, die im Garten der Freiheit zu finden ist, würden die Voraussetzungen geschaffen, dass Deutschland in den Herausforderungen der Zeit bestehen kann.

Die Schwelle der Demut

"Erkennet das Heilige in eurer Mitte" heißt aber auch: Kommt zu euch und sucht das Heilige nicht in der äußeren Projektion, auch wenn es eine gut funktionierende Ablenkung wäre um nicht zu sich selbst zu finden. Das Bild zeigt die Schwelle der Demut am Eingang des Friedensmal Wendepunkt. Man muss sie für den Gang ins eigene Innere überwinden. Es geht um die Wahrnehmung und Befreiung von Täuschung (durch Ideologien) und Leiden in uns selbst; hier beginnt der Friede und die Freiheit. Der Mensch stellt sich seinen ideologischen und emotionalen Verstrickungen, die ihn davon abhalten zu sich selbst zu kommen. Auch die Religion wird oft zur Ideologie für Menschen. Doch sie ist Weg; wenn man stehenbleibt, nutzt man ihn nicht gut.

11 große Steine im Friedensmal symbolisieren die Blockaden und Verstrickungen, die auf dem Lebensweg des Menschen zu sich selbst zwischen ihm und seiner Freiheit stehen. Die unfreien Menschen sind identifiziert mit ihren Verstrickungen und bewirken genau dadurch, dass die Welt so sein kann wie sie heute ist. Für die Befreiung aus den Verstrickungen steht im
Friedensmal als zentrales Element der Baum des Lebens. (Die Wurzeln hat der "Baum des Lebens" in der Erde und die Äste im Himmel. Er verbindet also Himmel (Geist) und Erde (Materie). Das steht für den durchgeistigten Menschen in dessen Wesen eine Befreiung  zum Leben hin wirkt.) Auch die Gesellschaft ist gefangen in ihren Verstrickungen und muss sich ihnen stellen.

Ein Ort zur Ermutigung

Andere Menschen zu ändern ist also nicht möglich. Doch jeder Mensch kann für die anderen zu einer Ermutigung für die Hinwendung zum Leben werden, wenn er fähig ist durch sein Wesen ihre Herzen zu berühren.

Ein Tanz im Friedensmal

Der Garten der Freiheit liegt in der Natur am Europäischen Fernwanderweg Nr. 8 in Süd-Hessen zwischen Frankfurt und Heidelberg. Es ist ein Ort, welcher für die Schönheit und Würde des Lebens in Freiheit steht. Hier darf man ein Stück Frieden und Inspiration in die Alltagswelt mitnehmen. Hier kann der Besucher ein positives Beispiel einer vorwärts gerichteten Gedenkkultur finden. Eine Zukunft in Würde und Freiheit gibt es, wenn wir uns der Vergangenheit stellen. Angesichts einer leidvollen Erfahrung des Menschen in der Welt zeigt das zentrale Element der Friedensstätte den Baum des Lebens als Weg zum inneren Frieden. 

Frieden und Freiheit beginnen still - im eigenen Inneren

Der Garten der Freiheit ist ein Ort der Einkehr. Man findet Schönheit, die im Innersten berührt. Es führt uns auf einen Weg der Heilung. Soviel an Schlechtem in der Welt wird mit soviel Aufwand bekämpft. Die Welt wäre sehr viel besser, würden einfach nur die guten Ideen und Lösungen, die es bereits gibt, auch wahrgenommen werden. Doch Gutes, das oft im Kleinen oder Stillen geschieht, wird oft übersehen, überhört oder für selbstverständlich genommen. Nicht die einfache Schönheit, sondern Grandiosität ist gefragt. Der große Lärm unserer Zeit macht uns auch taub für die leise Stimme unseres Herzens, die uns erzählen will, worauf es wirklich im Leben ankommt. Ein Garten der Freiheit trägt tatsächlich einen großen Namen. Um welche Art von Größe aber geht es dabei? Die Formensprache im Friedensmal ist schlicht; das Besondere liegt in den Details. Man muss hinschauen, um zu erkennen. Schaut und hört man hin und kehrt Stille ein, dann kann der Besucher zu einem neuen Verständnis von Freiheit kommen - das aber ist die große Hoffnung unserer Zeit. 

Verabschiedung am Yerushalayim Stein zur Erinnerung

"Yerushalayim - ein Ruf voller Liebe nach Freiheit für den Menschen. Dass wir die Zäune im Miteinander überwinden und unseren Halt nicht hinter Zäunen der Ideologie suchen” - lautet die ganze Inschrift auf dem Jerusalem Erinnerungsstein. Es ist ein Ruf der Sehnsucht nach Freiheit und Frieden und nach einem von Respekt geprägten Umgang der Menschen miteinander.


Verantwortung zur Freiheit

Faschismus und Krieg, die viele Millionen an Toten brachten, gehören zur deutschen Geschichte. Diese Erfahrung ist zu einem Teil der kollektiven Identität der Deutschen geworden. Statt wegzuschauen geht es vielmehr darum, in einer Liebe hinzuschauen, welche die tiefen Wunden in den Beziehungen, aber auch im eigenen Selbstwertgefühl heilen kann. Erst dann wird sich diese Vergangenheit auch in anderem Gewand nicht wiederholen. Selbsthass - auch das ist Hass - ist keine Antwort auf diese dunkle Vergangenheit. Ein kollektives Schuldgefühl ist es auch nicht. Verantwortung zur Freiheit kann aber eine tragfähige Antwort für die deutsche Gesellschaft  heute sein. Auf dem Jerusalem Erinnerungsstein am Eingang der Friedensstätte ist zu lesen „…dass wir unseren Halt nicht hinter Zäunen der Ideologie suchen“. In Deutschland wurden in der jüngeren Geschichte schlimme Erfahrungen mit der Gefangenschaft in Ideologien gemacht. Freiheit bedeutet aber zu allererst in der Lage zu sein, frei denken zu können; es sich zu wagen jegliche Ideologie zu hinterfragen. Dafür braucht es den Mut in anderen Bahnen zu denken, Mut zum Ausdruck und den freien Austausch von Meinungen.

Die innere Entwicklung wirkt in die äußeren gesellschaftlichen Prozesse. So steht das Friedensmal für eine verantwortliche und friedvolle Art mit der belasteten deutschen Vergangenheit umzugehen; sie zu wandeln: Eine mündige und freie Bürgergesellschaft bedeutete, dass Deutschland politisch seine Lektion aus der Vergangenheit lernte. Die Erziehung zur Freiheit gibt uns das Rüstzeug zur Befreiung aus der Erziehung (kokhavim)


Besuch jüsdische Gemeinde - Garten der Freiheit


Eine Vision von Frieden und Freiheit für Europa

Das Friedensprojekt Europa entstand als eine Lehre aus der Vergangenheit. Es waren die Erfahrungen von Krieg, Völkermord und der Gefangenschaft der deutschen Nation in der Ideologie des Faschismus, welche die europäischen Völker darin einte, nach einer Vision von Frieden und Freiheit in Europa zu streben. Welchen Einfluss hat also gerade die deutsche Politik auf Europa, ihrer Verantwortung für Frieden und Freiheit in Europa gerecht zu werden? Welches Fundament an Werten ist den christlichen europäischen Nationen gemeinsam, auf das sich bauen ließe, so dass ein Friedensprojekt der europäischen Völker langfristig gelingen kann? Im christlichen Europa sind Ideen von Jerusalem durch die Lehren des Juden Jesus zum kulturellen Fundament geworden. Jesus hatte die Tora der Juden nicht aufgelöst, sondern bestätigt und erklärt (Matthäus 5,17). 

Eine "Weiße Rose" des Friedens

Der Hang zum Kollektivismus, Neid und Untertanengeist bildete den Nährboden für den Antisemitismus in Deutschland in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts (siehe Kontroverse). Es gilt wachsam gegenüber jedem kollektiven Wahn und gegenüber allen totalitären Entwicklungen zu sein. Es macht die Würde des Menschen aus in Freiheit zu leben und aufrecht und selbstverantwortlich durchs Leben zu gehen. Wenn sich niemand für diese Werte der Freiheit einsetzt, dann vergeht sie. 

Der in Eigeninitiative entstandene Garten der Freiheit kann eine Ermutigung für Menschen sein, sich mit eigenem Engagement für Frieden und Freiheit einzusetzen. Es braucht die Ermutigung, denn der eigene Weg zur Reife und Verantwortungsfähigkeit ist kein einfacher. In der Mitte des Friedensmals findet sich eine „Weiße Rose“. Die Geschwister Scholl machten uns mit ihrem aus tiefem Glauben gezeugten Mut deutlich, was es heißt Verantwortung zu übernehmen. Das gilt eben und gerade auch heute. Dann ist Frieden, dann ist Schalom möglich.

Die Rose des Friedens im Friedensmal Wendepunkt


Auf dem Weg in die Freiheit und ins Licht


Es gibt viele Mahnmale, diese Friedens- und Freiheitsstätte im Geopark Bergstraße-Odenwald sei ein nächster Schritt im Frieden. Der Garten der Freiheit ist am Wanderweg in der Natur gebaut, denn auch das Leben lässt sich als eine Wanderung betrachten und für den Frieden und die Freiheit muss man sich auf den inneren Weg machen. Man findet sie nicht im Lärm und der Wichtigkeit der Welt, sondern im inneren Frieden und in der eigenen Wachheit. Das aber wirkt in die Welt.

Gesellschaften wie einzelne Menschen sind immer in einer Veränderung. Der Garten der Freiheit sei Erinnerung, aber auch Ermutigung und Zeichen  für die positive Veränderung hin zur Freiheit und zum Licht;  hin zum Leben.


UNESCO Geopark Bergstraße-Odenwald

„Er erschien dem Moses nicht am Palast des Pharao, sondern auf dem Land am Rande des Wegs.

Der Garten der Freiheit befindet sich im Geopark Bergstraße-Odenwald. Ein für die Gegend charakteristischer und besonderer Naturstein ist der Odenwald-Quarz (eine Form von Rosenquarz). Die Gedenksteine und Natursteinplatten im Garten der Freiheit sind aus diesem Material gefertigt. Es stammt vom nur 2,4 km entfernten Steinbruch Borstein in Reichenbach.

Diaschau - Wanderung zum Garten der Freiheit



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