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Das Friedensmal Wendepunkt mit dem Baum des Lebens im Garten der Freiheit


Das Friedenmal liegt am Europäischen Fernwanderweg E8. Darin soll die Verbundenheit der europäischen Kultur mit der Wurzel Jerusalem deutlich werden und 
dass man sich für den Frieden auf den Weg machen muss. Im Friedensmal ist der Baum des Lebens in Form eines Reliefs in einem Kreis zu sehen. Es ist eine Sicht von oben. Es bedeutet sich in einer inneren Erfahrung selbst zu betrachten. Das Friedensmal ermutigt dazu, sein eigenes Leben anzuschauen und guten Entwicklungen bei sich und anderen den Raum zu geben.

Ein Friedensmal ist kein Mahnmal

Im Jahr 1998, zur Zeit der Debatte über einen Bau eines zentralen Mahnmals in Berlin für die ermordeten europäischen Juden, hatte ich die Idee für dieses Projekt. Ich glaube, dass die auf Mahnmale ausgerichtete Erinnerungskultur in Deutschland den positiven Ansatz dieses Friedensmals braucht. Erst so entsteht ein Zugang ohne Schuldgefühle, welche die Menschen so oft in eine Abwehrhaltung bringen. Mahnen und Erinnern alleine reicht nicht. Es braucht im Gedenken Leben und Hoffnung. Es braucht vor allem eine Heilung der tiefen Wunden. Auf dem Weg dazu findet erst die Integration statt, dass man dann wirklich sagen kann, dass etwas aus der Vergangenheit gelernt wurde; dass sich Vergangenheit nicht in einem anderen Gewand wiederholt.

Die Idee des Friedensmals bringt damit Deutschland einen anderen Umgang mit der Shoa, der für Deutschland zu einem Segen werden würde.
Nelly Sachs drückte es in einem Gedicht so aus: „Die ihr den Staub nicht von eurer Sehnsucht schütteltet. Die ihr stehenbliebt dort, wo er zu Licht verwandelt wird“. 


Ein Baum des Lebens

Der Kampf gegen das Schlechte in der Welt hat vielleicht nie ein Ende. Würde aber nicht viel an Dunkelheit vergehen, wenn man Schönes und Gutes bei sich und anderen wahrnehmen wollte? So fängt Frieden im Innern an, davon aus wirkt er ins Kleine und davon aus in die großen Zusammenhänge. Mit seinen Wurzeln ist dieser Baum des Lebens im Friedensmal nach Jerusalem ausgerichtet. Das ist ein Ruf für eine „bessere Welt“, symbolisiert durch Yerushalayim - dem „himmlischen Jerusalem“. 

Der Baum des Lebens


Von Innen nach Außen

Das Friedensmal ist ein 24-Eck. Man kann 24 Stunden und viele Tage um das Mal herumgehen und drehte sich doch nur im Kreise um sich selbst. Erst wenn man innehält und über 2 Stufen - die Schwelle der Demut - mit der Inschrift „Erkennet das Heilige in eurer Mitte“ in den Kreis des Friedensmals tritt - wenn man von sich loslässt und nach innen geht - wird man sich finden. 

Ein Teil des Rings um den Baum des Lebens ist mit dunklem Kies gefüllt. Darin sind 11 Steinblöcke aus Odenwald-Quarz. Sie symbolisieren Projektionsflächen des Verstandes, denn der begrenzte Verstand kategorisiert und projiziert, was Menschen allzu oft für die allgemeine Wahrheit halten. Das macht Probleme im Miteinander. Sind wir Gefangene unserer Projektionen und Ängste oder sehen wir die Fülle des Lebens? So streifen wir also durch den dunklen Ring und erforschen unsere „Steine“ in der Seele, wo sie unsere Liebe blockieren.

Die Symbolik christlich erklärt: In der christlichen Mystik gilt die Zahl 11 als die Zahl der Sünde bzw. besser: "Der Mensch ist entfremdet vom Grund des Seins (Gott), von den anderen Wesen und von sich selbst" (Tillisch, Lexikon der Theologie). 1 ist der Wille Gottes, 0 ist das empfangende Prinzip, die Schöpfung. So symbolisiert die 10 den Willen Gottes in der Schöpfung und auch die 10 Weisungen (Gebote). Bei der 11 ist der aus der Ordnung herausgefallene Wille des Menschen hinzugekommen. Aufgabe ist es, diesen Willen in Einklang mit dem "Grund des Seins" zu bringen. Die Zahl 11 ist also auch die Zahl der Befreiung. Tritt man wieder aus dem Friedensmal heraus, wo es um den inneren Frieden geht, findet man im Außen, wo es um den Frieden in der Welt geht, den 12. Stein mit der Aufschrift "Jerushalayim". Mit der 12 hat man wieder den Einklang mit Gott, dem Grund des Seins, gefunden; sie steht also dafür Gott zu dienen. Auch in der Tora ist es so geschildert: die Israeliten fanden ihre Freiheit (Auszug aus Ägypten) um Gott zu dienen.

Friedensmal Wendepunkt 2

Der Baum des Lebens betrifft die Beziehung zur eigenen Seele. Er durchbricht den dunklen Ring von innen. Wie ein gesunder Baum Himmel und Erde verbindet, so hätte auch der Mensch darin das Leben. Auch nach außen oberhalb der "Baumkrone" ist der dunkle Ring bereits aufgebrochen - durch eine beige Tanzfläche. Sie steht für die wahrhaftige Beziehung zum Du, die wie ein Tanz sein mag. Der Religionsphilosoph Martin Buber, der einst im nächsten Ort wohnte, drückte es so aus: „Der Mensch wird am Du zum Ich“. Unsere eigenen blinden Flecken erkennen wir erst, wenn uns ein anderer Mensch in seinem Wesen zum Spiegel wird. Die "Tanzfläche" liegt im inneren Raum, da man den Anderen nicht wahrhaftig sehen kann, wenn man sich selbst nicht sieht.

Die heilsame Antwort ist also die stille Wendung nach innen – es sei ein Ort für die Meditation und das Gebet - die aber ein Gefühl und eine Freude für den Tanz im Leben vermittelt.
 Ein 26 m langer 7-farbiger Regenbogen wird noch als Glasmosaik um die "Baumkrone" gelegt werden. Der Regenbogen ist das Zeichen vom Bund Gottes mit den Menschen. Der Durchmesser der Krone vom Baum des Lebens um den der Regenbogen liegt beträgt 16,60 m. Das ist ein Hinweis auf die einzige Bibelstelle mit dieser Zahl, nämlich Hesekiel 16,60: "Ich will aber gedenken an meinen Bund, den ich mit dir gemacht habe zur Zeit deiner Jugend, und ich will mit dir einen ewigen Bund aufrichten."


Schalom Jerusalem
In der Mitte des Friedensmals befindet sich die Friedensrose. Sie sei ein Zeichen für Schalom; das heißt Harmonie, Heil, Fülle und Frieden. Dem Symbol liegt die "Weiße Rose" aus Marmor und Granit zugrunde.

Die Rose des Friedens 3

Schalom (Frieden, Heil) fängt bei einem selbst im eigenen Inneren an. Das Friedensmal Wendepunkt ist ein Raum der Heilung und Begegnung. Es zeigt den Gang ins eigene Innere; da, wo wir selbst die Macht haben etwas zu verändern. So kann der Frieden dann nach außen in unsere Gesellschaft wirken. Der Einzelne ist auch Teil einer kulturellen Gemeinschaft mit ihrer Prägung  und ihrer Geschichte. Deshalb wird im Friedensmal Bezug genommen auf „Jerusalem” als die tiefste Wurzel der europäischen Kultur und auf die tiefe Verletzung in dieser Beziehung. Das sei ein wichtiger gesellschaftlicher Impuls für unser Land, sich über das Verständnis von "Jerusalem" wieder neu zu finden und es wird zu einer Idee von Jerusalem in den deutsch-jüdischen Beziehungen.

Die Rose des Friedens 2

Die "Rose des Friedens" besteht aus der Blüte einer „Weißen Rose“ und einem darauf liegenden Stern: ein Herz das lebt! Auch dieser Stern steht für die Verbindung von „Himmel“ und „Erde“; von Geist und Materie. Die Rose des Friedens befindet in der Mitte vom Baum des Lebens im Friedensmal Wendepunkt: der Mensch kann in sich Himmel und Erde verbinden wie ein Baum; christlich gesprochen ist das der vom Heiligen Geist erfüllte Mensch. Es gibt zwei Dreiecke im Stern; das eine Dreieck mit dem brauen Fleck in der Spitze weist Richtung Rheintal mit dem ehemaligen "Jerusalem am Rhein" und das andere Dreieck mit dem brauen Fleck in der Basis weist Richtung Jerusalem in Israel. In der Mitte des Sterns ist ein Kristall eingelassen. Auf diesen einen Punkt in der Mitte bezogen wurde das ganze Denkmal konstruiert. In diesem einen Punkt, der alles verbindet, gibt es keine Ideologie. Hier ist Schalom, d. h. Harmonie, Heil, Fülle und Frieden. - Dieser Punkt in der Mitte liegt genau 72 cm über der Ebene vor der 1. Stufe der "Schwelle der Demut". Das ist ein Hinweis auf die 72 Gottesnamen; es geht um Erfahrung.

Der Baum des Lebens 2
Die Menschen zogen ihre Schuhe aus als sie in den Baum des Lebens eintraten. Es ist ein Zeichen, Gewohnheiten und Vorurteile abzulegen und sich für eine Erfahrung aus dem Herzen zu öffnen. In dieser Mitte kann sich Schalom finden.

Das Friedensmal kann dem Menschen die innere Sehnsucht nach Heiligkeit wieder bewusster machen. Wir brauchen Zeichen der Hoffnung, die das Gute in uns berühren. Das größte Unglück in einer Gesellschaft geschieht nicht durch „böse Menschen“, sondern weil das gute Potential in ihr nicht erkannt wird! Verantwortung für das Leben ist positiv. Sie will sich im Engagement freiheitsliebender und mündiger Bürger ausdrücken. In diesem Sinn wurde dieses Projekt in vielen Jahren ehrenamtlicher Arbeit auf dem eigenen Grundstück umgesetzt. Freier Friede walte auf Erden; Licht, Liebe und Leben.


Abendstimmung


Das Denkmal für Frieden 2